Veröffentlicht am 4. März 2026

Der Reutlinger Geschichtsverein hat nicht zuletzt dadurch, dass die Sammlung des Heimatmuseums im Altbestand auf die im 19. Jahrhundert angelegte „Altertumssammlung“ unseres Vereins zurückgeht, ein enges Verhältnis zu den Historischen Museen. Zudem versteht sich unser Verein als Anwalt historischer Belange und Gebäude. Bereits bei der Mitgliederversammlung im Oktober 2025 haben sich die Anwesenden von Museumsleiter Christian Rilling über die Planungen für die Häuser in der Oberamteistraße unterrichten lassen.

Bei der nun vereinbarten Führung für den Geschichtsverein am 2. März interessierten sich rund 20 Mitglieder über das neue „Glashaus“, dem ersten Bestandteil der Museumserweiterung in der Oberamteistraße.
Museumsleiter Rilling sowie der Architekturbeauftragte des Museums, Aris-Alexis Varagulis, stellten den Bau und dessen Konzept ausführlich vor.
Architekturbeauftragter Varagulis erläuterte hierzu die besondere Holzkonstruktion, die Verbindungstechniken sowie den Bodenaufbau des Gebäudes. Museumsleiter Rilling konnte berichten, dass das Projekt bereits in der Architekturwelt große Aufmerksamkeit erregt habe. Es gebe zahlreiche Anfragen für Besichtigungen aus verschiedenen Teilen Deutschlands und sogar aus dem Ausland.
Die Teilnehmer zeigten sich besonders von der modernen Holzarchitektur beeindruckt. Das Gebäude erfüllt nach Angaben von Museumsleiter Rilling mehrere Funktionen: Zunächst übernimmt es eine statische Stützfunktion für die angrenzenden historischen Gebäude. Gleichzeitig integriert es die Erschließung der Häuserzeile durch eine Treppe sowie einen Aufzug. Darüber soll das Glashaus später ein zentraler Bestandteil des inhaltlichen Museumskonzepts werden. Angesichts des wohl schon mehrfach geäußerten Vorwurfs, das Glashaus sei nutzlos, sei es nun Ziel, das Gebäude „mit Leben zu füllen“ und einen sogenannten „Dritten Ort“ zu schaffen – einen offenen Aufenthaltsraum für die Bürgerinnen und Bürger Reutlingens. So sollen etwa die beheizten Treppenstufen zum Verweilen einladen. Der Museumsleitung schwebt vor, in dem Gebäude auch Veranstaltungen wie Konzerte durchführen zu können.

Inhaltlich wird sich die Ausstellung vor allem mit den Funden beschäftigen, die während der Ausgrabungsarbeiten gemacht wurden. Verschiedene Medieneinheiten sollen die Besucher über die früheren Bewohner des Hauses informieren. Zudem erhalten die Architekten die Möglichkeit, ihre Idee des sogenannten „Phantomhauses“ zu präsentieren. Im Untergeschoss wird außerdem eine Art Einführung in die späteren musealen Inhalte der gesamten Häuserzeile geboten.

Die Teilnehmer lobten die Gestaltung des Gebäudes ausdrücklich und diskutierten dessen Bedeutung für das Gesamtkonzept. Eine Thematisierung des Areals, auf dem die Häuserzeile aus dem 14. Jahrhundert sich befindet (ehemaliges Reichsgut, Klosterhöfe, etc.), sei nicht vorgesehen. Auch praktische Fragen kamen zur Sprache: So erkundigten sich die Besucher nach Reinigungsaufwand, klimatischen Bedingungen sowie langfristigen Instandhaltungsmaßnahmen. Problematisiert wurde die Möglichkeit der Durchführung von Veranstaltungen, da der Aufenthalt durch Klima und Lärmeinflüssen beeinträchtigt sein könnte.Der Vorsitzende bedankte sich bei Herrn Rilling und Herrn Varagulis für die Führung und die Ausführungen. Mit Museumsleiter Rilling wurde verabredet, sobald es möglich sei, auch den Altbestand in der Oberamteistraße zu besichtigen.